Ohne Eigenkapital zum eigenen Haus: Mietkauf zur Finanzierung?

Völlig schuldenfrei ein Eigenheim zu finanzieren, das ist der Traum vieler Familien. Und wenn dazu kein Cent Eigenkapital nötig ist, dann wird ein solches Angebot richtig verlockend – macht aber gleichzeitig stutzig.

Was ist Mietkauf?
Der Mietkauf lockt als Finanzierungsmethode aktuell immer neue Interessenten an, denn das Grundprinzip klingt wirklich gut: Zuerst zieht die Familie in das gewünschte Haus ein, zahlt über viele Jahre hinweg Miete an den Besitzer und kauft zu einem vereinbarten Zeitpunkt die Immobilie für einen vorher festgelegten Betrag. Ein Teil der Miete gilt darüber hinaus ebenfalls als anteilige Kaufsumme. Die Zeit bis zum endgültigen Kaufdatum kann die Familie dazu nutzen, Eigenkapital anzusparen, ohne dafür Schulden aufnehmen zu müssen. Dies scheint ein besonders einfacher Weg zum eigenen Heim zu sein.

Lohnt sich Mietkauf?
Die eigentliche Frage lautet: Warum sollte sich ein Hausverkäufer auf das Mietkauf-Modell einlassen, wenn er das Gebäude doch gleich verkaufen kann? Sein Geschäft wäre dann viel schneller abgeschlossen – und ohne das Risiko, dass er vielleicht in zwanzig Jahren sein Geld gar nicht bekommt. Vielleicht, so der hintergründige Gedanke, wird er das Haus auf dem aktuellen Immobilienmarkt gar nicht los – jedenfalls nicht für den Preis, den er gern dafür haben möchte. Wenn das so ist, dann muss Mietkauf ein Verlustgeschäft für den Käufer sein.

Wo ist der Haken beim Mietkauf?
Die vereinbarte Miete ist oft relativ hoch und der Immobilie nicht angemessen, die Häuser haben in vielen Fällen Mängel. Zusätzlich zu der monatlichen Mietkaufrate muss der zukünftige Eigenheimbesitzer kräftig ansparen, um später den Kaufpreis zahlen zu können. Vielleicht wurde ihm zusätzlich zur Immobilie noch eine „passende“ Geldanlage verkauft, so verdient sich der Verkäufer zusätzlich eine Provision. Familien, denen es während ihrer Zeit als Mieter nicht gelungen ist, genügend Eigenkapital für eine Finanzierung per Kredit anzusparen, sind bei dem Mietkauf-Modell gefährdet: Können sie die hohen monatlichen Kosten überhaupt schultern? Und was ist, wenn vertraglich vereinbart wurde, dass der Mietkäufer auch noch für die Instandsetzung der Immobilie zuständig ist? Schon manche Familie ist an einem solchen Projekt gescheitert.

Tipps für Mietkauf
Wer sein Eigenheim trotz allem per Mietkauf finanzieren möchte, der sollte sich ganz genau durchrechnen, ob er die monatlichen Unkosten tatsächlich aufbringen kann. Entscheidend ist auch, ob er sich wie ein Eigentümer um alle anfallenden Reparaturkosten kümmern muss und in welchem Zustand sich die Immobilie befindet. Leisten Sie sich einen Gutachter, der Sie vor dem Kauf einer Unkostenfalle bewahrt. Und wie immer, wenn es um Finanzen geht: Seien Sie auf der Hut, denn die Wahrscheinlichkeit, dass man Ihnen etwas schenken will, ist gering. Loten Sie im Vergleich zum Mietkaufangebot unbedingt aus, ob und wie viel staatliche Zuschüsse zur Kreditfinanzierung Ihnen als Familie zustehen.

Weitergehende Informationen bei focus.de und bei der R+V.


Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*